Aktuelles
Regionaltreffen der KG-Lyck / Lübeck 2026
Das diesjährige Regionaltreffen der Kreisgemeinschaft Lyck fand unter reger Beteiligung am Sonntag, den 26. April in Lübeck statt.
Die Kreisvertreterin Heidi Mader begrüßte die Teilnehmer (29 Personen) mit dem Glockengeläut der Lycker-Kirche und stellte jeden Gast persönlich vor.
Die Totenehrung übernahm der stellv. Kreisvertreter Dieter-J. Czudnochowski.
Ein Solobeitrag auf der Blockflöte durch Horst Hausen mit dem Stück
3. Fantasie von G.Ph. Telemann verschaffte den Worten einen würdevollen Rahmen.
Über die seit ihrer Amtsübernahme im Oktober 2025 geleisteten Arbeiten in der KG informierte die KV die sehr interessierten Zuhörer.
Für die nächste Zeit kündigte sie die Planung der Digitalisierung unseres Archivs an, dazu wird eine Sonderarbeitsgruppe eingesetzt, um die Möglichkeiten zu sondieren. Des Weiteren teilt sie mit, dass ein neuer Kassenwart bereitsteht, um das Amt zu übernehmen, der Kreistag wird im August darüber beraten und abstimmen. Weitere Inhalte waren die Neuigkeiten zur Situationslage des Wasserschadens am Wasserturm in Lyck, Auszahlung der Bruderhilfe und Bekanntgabe der einzelnen Jahrestermine.
Ein erneuter musikalischer Beitrag auf der Querflöte mit dem Stück Allegro aus Sonate a-moll von C.Ph.E. Bach erfreute die Anwesenden.
Anlässlich des 100. Geburtstages von Siegfried Lenz hat Petra Steltner eine Zusammenfassung seines Lebens vorgetragen.
Das gemeinsame Singen des Ostpreußenliedes rundete die Veranstaltung ab
und es gab genügend Zeit für ausführliche, intensive Gespräche in der großen „Lycker-Familie“.
D.-J. Cz.
Bericht vom Lycker Treffen in Bremen
Am 6. November 2025 fand in Bremen das diesjährige Lycker Treffen statt, das von 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern besucht wurde. Es war ein harmonischer, warmherziger Nachmittag, geprägt von Erinnerungen, interessanten Beiträgen und gemeinschaftlicher Verbundenheit.
Zum ersten Mal leitete Heidi Mader das Treffen in ihrer neuen Funktion als Kreisvertreterin. Mit viel Herzlichkeit begrüßte sie die Anwesenden und eröffnete die Veranstaltung auf eine besonders eindrucksvolle Weise:
Mit dem symbolischen Läuten der Lycker Kirchenglocken, das für viele Heimatfreunde tief berührend war und direkt eine besondere Atmosphäre schuf.
Im Anschluss richtete Heinrich Lohmann, Vorsitzender der Landsmannschaft Ost- und Westpreußen, seine Grußworte an die Teilnehmenden. Er würdigte das Engagement der Kreisgemeinschaft, betonte die Bedeutung solcher Treffen für den Erhalt des kulturellen Erbes und gratulierte Heidi Mader zu ihrer neuen Aufgabe.
Ein weiterer Höhepunkt des Nachmittags war die Buchvorstellung von Dr. Siegmund Fröhlich. Er präsentierte sein Werk
„Mit Gott, Schwert und Feuer“, erläuterte Hintergründe und Entstehungsgeschichte und gab spannende Einblicke in die historischen Zusammenhänge seines Buches. Viele Zuhörer verfolgten den Vortrag mit großem Interesse.
Für eine feierliche und zugleich besinnliche Stimmung sorgte Horst Hausen, der das Treffen musikalisch mit seinem Flötenspiel bereicherte. Seine Stücke verliehen der Veranstaltung eine besondere Atmosphäre.
Zum Abschluss des offiziellen Programms sangen alle gemeinsam das Lied „Land der dunklen Wälder“ – ein emotionaler Moment, der die Verbundenheit aller Lycker eindrucksvoll spürbar machte.
Beim anschließenden gemeinsamen Kaffeeklatsch nutzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit zu regen Gesprächen, lebhaften Erinnerungen und einem gemütlichen Ausklang des Nachmittags.
Bericht zum Hauptkreistreffen der Kreisgemeinschaft Lyck 2025
Am Sonnabend, den 30.Aug. und Sonntag, den 31.August, fand in Hagen das diesjährige Hauptkreistreffen der Kreisgemeinschaft Lyck statt.
Als Gast konnten wir wieder die Kreisgemeinschaft Treuburg begrüßen.
In diesem Jahr stand der Sonntag mit der Feierstunde unter dem Motto der 70-jährigen Patenschaft mit der Stadt Hagen.
Das Wochenende begann am Freitagnachmittag im Archiv mit der turnusgemäßen Kreisausschuss (KA)-Sitzung. Es wurde ein Resümee der 600 Jahre Lyck-Jubiläumswoche in Lyck gezogen. Weitere Themen waren z.B. die Vorstellung des Haushaltsplans 2025, Auszahlung der Bruderhilfe und Vorbereitung der Kreistags-Sitzung mit der Neuwahl einer neuen Kreisvertreterin.
Die öffentliche Kreistags-Sitzung fand am Sonnabend, den 30.August um 14:00 Uhr im Rathaus der Stadt Hagen statt.
Die Kreisvertreterin (KV) Bärbel Wiesensee eröffnete in Anwesenheit zahlreicher Gäste die Versammlung mit der Feststellung der Beschlussfähigkeit. Auch eine Abordnung aus Lyck/Elk, von der Gruppe der Deutschen Minderheit, mit der Vorsitzenden Urszula Sasinska, dem Stellvertreter Klaus Romoth, sowie Sabina Kozlowska und Maximilian Romoth wohnten der Veranstaltung bei.
Nach dem Totengedenken, den Berichten der KA-Mitglieder, den Berichten der Kassenführung und der Kassenprüfer, der Vorstellung des Haushaltsplans 2025, weiteren Jahresterminen, etc. teilte die KV ihren Amtsrücktritt zum 30.09.2025 mit.
Die folgende Neuwahl einer Kreisvertreterin wurde vom stellv. Kreisvertreter Dieter-J. Czudnochowski geleitet. Einstimmig wurde die einzige Kandidatin Heidi Mader zur neuen Kreisvertreterin ab 01.10.2025 gewählt.
Der stellv. KV verabschiedete Bärbel Wiesensee im Namen der KT-Mitglieder mit einer kurzen Dankesrede. Zum neuen Amt und auf eine gute Zusammenarbeit gratulierte er der neugewählten KV Heidi Mader.
Zu Wort meldete sich der Kreisälteste Gerd Bandilla und dankte der scheidenden KV für ihre jahrelange Tätigkeit und wünschte der folgenden KV für die weitere Führung der Kreisgemeinschaft (KG) einen guten Start.
Nach der Sitzung fuhr eine kleine Delegation zu den, in einem sehr sauberen Zustand befindlichen, Gedenksteinen im Stadtgarten. In einem kleinen feierlichen Rahmen, mit musikalischer Begleitung und Redebeiträgen des Bürgermeisters der Stadt Hagen, Herrn Dr. Hans-Dieter Fischer und von Pater Eduard Prawdzik, wurde mit der Kranzniederlegung der Heimat Ostpreußens, des Kreises Lyck und der verstorbenen Verwandten und Landsleute gedacht.
Diese Gedenkminuten gaben allen Teilnehmern ein besonderes Gefühl der Zusammengehörigkeit.
Bei netten Gesprächen klang der erlebnisreiche Tag im Hotel Mercure in vertrauter Runde aus. Ein Vortrag von Siegmund Fröhlich mit dem Thema „Neues von der Prußen-Saga“, aus seinem selbstverfassten Buch und eine spontane Einlage in Form eines musikalischen Beitrags von Horst Hausen auf der Flöte, bereicherten die Abendstunden.
Zur Feierstunde am Sonntag, den 31.August, zusammen mit der Kreisgemeinschaft Treuburg, versammelten sich alle Besucher im Hotel Mercure.
Die Moderation hat in gewohnter Form wieder Herr Peter Mook übernommen und führte sicher durch das festliche Programm.
Die musikalische Begleitung hat, wie im letzten Jahr, das Musik-Duo Iryna Popyk ( Cello ) und Jonas Liesenfeld ( Geige ) übernommen und somit der Veranstaltung einen würdigen Rahmen gegeben.
Beginnend mit dem gemeinsamen Singen des Ostpreußenliedes und der Grußnote unserer Kreisvertreterin Bärbel Wiesensee folgte nach einem musikalischen Zwischenspiel der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt Hagen Herr Dietmar Thieser mit dem Festvortrag. Den inhaltlichen Schwerpunkt legte er auf das kleine Jubiläum zur 70-jährigen Patenschaft mit der Stadt Hagen. Die KG-Lyck überreichte der Stadt Hagen als Dank eine Fotocollage für die jahrelange Verbundenheit.
Durch weitere musikalische Einlagen aufgelockert, folgten weitere Grußworte durch den Kreisvertreter der Treuburger Herr Ulf Püstow und Frau Bärbel Beutner Kulturreferentin der LO / Landesgruppe NRW.
Den Abschluss der Feierstunde rundete das feierliche Anstimmen der deutschen Nationalhymne ab.
Den Nachmittag nutzten alle Gäste, beim Mittagessen, bei Kaffee und Kuchen, zu einem regen Gedankenaustausch mit interessanten, tiefgründigen, freundschaftlichen Gesprächen. An den Buchständen der beiden Kreisgemeinschaften hatten sich einige Interessenten mit individuellem Lesematerial versorgt.
D.-J.Cz.
Fotos vom Hauptkreistreffen 2025
Ostpreußenblatt 06/2024
Liebe Heimatfreunde !
Der Kreisgemeinschaft Lyck und dem Historischen Museum in Ełk ist es ein besonderes Anliegen, die vielfältige Erinnerung an Lyck und Ełk zu bewahren. Eine Stadt, die im Wandel der Zugehörigkeit zum Deutschen Kaiserreich über die Weimarer Republik, dem nationalsozialistischen Deutschland, der Volksrepublik Polen bis hin zur Dritten Polnischen Republik Generationen von Menschen Heimat war. Diese mannigfaltige Geschichte der Stadt und Ihrer Bewohner drückt sich unter anderem in zahlreichen Fotoaufnahmen und Erinnerungsstücken aus.
Nun ist es jedoch so, wie wir alle wissen, dass sich ein bedeutender Teil der Geschichte der Stadt im Umbruch des Jahres 1945 widerspiegelt. Der Austausch der Bevölkerung hatte auch zur Folge, dass sich viele dieser historisch wertvollen Erzeugnisse - sowohl von vor als später auch nach 1945 - in einem anderen Land, weit entfernt von Ełk, wiederfanden. Für die Stadt Ełk und aller ihr verbundenen Menschen sei die Bewahrung, ggf. Restauration und Bereitstellung dieser Zeitdokumente ein hehres Ziel!
Das Historische Museum in Ełk bittet Sie bei dieser wichtigen Aufgabe um Ihre Mithilfe:
· Falls sich Dokumente dieser Art in Ihrem Besitz befinden
· Sie Menschen kennen, die solche Dokumente besitzen
· Sie Vereine oder andere Institutionen kennen, die einen solchen Bestand führen
Dann möchten wir Sie bitten, mit uns Kontakt aufzunehmen. Ihr Ansprechpartner ist Herr Jakub Knyżewski, Muzeum Historyczne w Ełku, ul. Wąski Tor 1, PL 19-300 Ełk, Tel. +48 87 732 02 85, E-mail: [email protected]
Das Historische Museum nimmt Materialien sowohl in analoger als auch digitaler Form entgegen, freut sich über Ihre Tipps, unterstützt und berät Sie gerne! Wir sind auch gerne bereit, die Scans der Materialien selbst anzufertigen. Ebenfalls möchten wir Sie bitten, diesen Aufruf unter interessierten Menschen zu teilen. Helfen Sie uns dabei, kostbare Schätze unserer Stadt der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, auf das auch künftige Generationen sich an ihnen erfreuen können.
Mit freundlichem Gruß
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Dr. Rafał Żytyniec |
Bärbel Wiesensee |
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Direktor des Historischen Museums in Ełk/Lyck |
Kreisvertreterin, Kreisgemeinschaft Lyck e.V. |
Ein Archiv für das Ostpreußische Landesmuseum – das schriftliche und fotografische Erbe Ostpreußens erhalten!
Das Ostpreußische Landesmuseum mit deutschbaltischer Abteilung wird um
einen wissenschaftlichen Bereich erweitert und beginnt mit dem Aufbau eines
Archivs. Dieses stellt einen weiteren wichtigen Baustein für die Bewahrung und
Erforschung der Kultur und Geschichte Ostpreußens dar und ist der zentrale
Anlaufpunkt für die geordnete und professionelle Aufbewahrung von
ostpreußischem Archivgut wie Schriftgut, Briefe, Tagebücher, Postkarten,
Sparbücher, Zeitungen, Urkunden, Broschüren, Zeichnungen, Fotos, Fotoalben,
Dias, Videokassetten und DVD´s.
Neben der Bewahrung und Verzeichnung dieser einzigartigen Archivalien, über
welche das Museum bereits in großer Menge verfügt, ist es das erklärte Ziel, die
bedeutende Sammlung des Archivs in seiner Vielseitigkeit kontinuierlich zu
erweitern. Dabei freut sich das Ostpreußische Landesmuseum über die
Unterstützung von Ostpreußen und deren Nachkommen und ist dankbar über
Schenkungen von Archivgut. Archivgut der Kreisgemeinschaften wird wie bisher
über das Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen betreut, mit dem die
Archivierung in Lüneburg ohnehin in enger Abstimmung erfolgt.
Eine weitere zentrale Aufgabe des Archivs ist die Unterstützung des
wissenschaftlichen Arbeitens, seien es Dissertationen, Masterarbeiten oder
Familienforschung. Ein professioneller Lesesaal auch für mehrtägiges Arbeiten
steht im Lesesaal des benachbarten Nordostinstituts inkl. entsprechender
Fachbibliothek zur Verfügung. Zur Vorbereitung der Archivnutzung wird ein
Online Findbuch realisiert werden.
Aufgebaut und betreut wird das Archiv von Moritz Dittmann. Der Historiker
studierte an der Georg-August-Universität in Göttingen Mittlere und Neuere
Geschichte und Europäische Ethnologie und bringt eine mehrjährige
Berufserfahrung aus seinen Tätigkeiten in österreichischen und deutschen
Wirtschaftsarchiven mit.
Kontakt Öffentlichkeitsarbeit und Marketing Ostpreußisches Landesmuseum
Mareike Kelzenberg M.A., Wissenschaftliche Volontärin
Tel. +49 (0)4131 7599528, E-Mail: [email protected]
Ostpreußisches Landesmuseum mit Deutschbaltischer Abteilung
Heiligengeiststraße 38, 21335 Lüneburg
Tel. +49 (0)4131 759950, Fax +49 (0)4131 7599511
E-Mail: [email protected], Internet: www.ostpreussisches-landesmuseum.de
ZENTRUM GEGEN VERTREIBUNGEN - Pressemitteilung
Aus Unrecht zur Versöhnung - Dokumentations- und Erinnerungsstätte zu Flucht und Vertreibung in Berlin eröffnet
Heute öffnet das „Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ im Deutschlandhaus in Berlin seine Türen für den Publikumsverkehr. Am Montag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel das Dokumentationszentrum im Beisein von Bundespräsident a.D. Joachim Gauck, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters und BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius am Anhalter Bahnhof mit einem Festakt eröffnet. Der Vorsitzende der Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen, Dr. Christean Wagner, erklärt zum heutigen Eröffnungstag:
„Nach 22 Jahren der gesellschaftlichen Debatte, der Auseinandersetzung, der historischen und politischen Kontroversen sind wir heute dankbar, dass das „Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ für das Publikum geöffnet wird. Für die Vertriebenen ist es eine große Freude, dass mehr als 75 Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges und dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft, nach Flucht, Vertreibung und Deportation der Deutschen aus ihren angestammten Heimatgebieten in Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa die Erinnerung an ihr tragisches Schicksal an einem zentralen Ort in Berlin zusammengetragen und einer breiten Öffentlichkeit aus dem In- und Ausland zugänglich gemacht wird. Es ist wichtig, dass es diesen Erinnerungsort jetzt gibt!
Impulsgeber für diese Dokumentationsstätte waren die Vertriebenen selbst. Bereits zu Beginn ihrer Amtszeit als BdV-Präsidentin 1998 überzeugte die damalige CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach den Bund der Vertriebenen und im weiteren Verlauf zahlreiche Unterstützer, wie den führenden SPD-Politiker Peter Glotz mit dem Konzept einer Stiftung, die den vertriebenenpolitischen Diskurs in der Bundesrepublik Deutschland für die folgenden Jahren maßgeblich mitbestimmen sollte: das Zentrum gegen Vertreibungen.
Zu dessen zentralen Aufgaben sollte gehören, „in Berlin eine dauerhafte Gedenkeinrichtung an Flucht, Vertreibung, Deportation, Vergewaltigung und an Heimatverlust der Deutschen“ zu schaffen - und diese Vorgänge einzubetten in andere, ähnliche Vorgänge im „Jahrhundert der Vertreibungen“. Dank vielfältiger Initiativen wurden bald führende Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst, Kultur und Politik für diese Idee gewonnen.
Innerhalb kurzer Zeit wurden mehrere hundert Städte und Gemeinden, Bundesländer und Mitgliedsorganisationen des BdV, aber auch viele Einzelpersonen Förderer und Unterstützer ihrer Zentrumsidee.
Im Koalitionsvertrag der Regierungsparteien CDU, CSU und SPD vom November 2005 wurde - zusätzlich zu der seit 2000 bestehenden Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen - beschlossen, ein „sichtbares Zeichen“ in Berlin zu setzen, um „an das Unrecht von Vertreibungen zu erinnern und Vertreibung für immer zu ächten“.
Während zahlreiche Kräfte aus dem linken politischen Lager forderten, das nationale Projekt aufzugeben, zeigte sich Bundeskanzlerin Angela Merkels stets als uneingeschränkte Unterstützerin des „sichtbaren Zeichens“. Ohne große Debatte verabschiedete der Deutsche Bundestag am 4. Dezember 2008 den Gesetzentwurf von CDU/CSU und SPD, mit dem die „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ errichtet werden sollte. Nach jahrelangen Diskussionen kam damit die Errichtung einer staatlichen Erinnerungsstätte zustande. Nach Diskussionen um die Besetzung des Stiftungsrates wurde das Vorschlagsrecht des BdV für den Stiftungsrat auf sechs Mitglieder ausgedehnt und die vorgesehene Ausstellungsfläche um 750 qm auf insgesamt 3.000 qm erhöht.
Millionen Deutsche aus dem Osten haben das Schicksal von Flucht und Vertreibung erlebt. Sie waren es, die durch ihr Engagement und ihren Einsatz dafür gesorgt haben, dass ihr Schicksal nun zentral in das „Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ Eingang gefunden hat. In der Charta der deutschen Heimatvertriebenen heißt es: „Heimatlose sind Fremdlinge auf dieser Erde. Gott hat die Menschen in ihre Heimat hineingestellt. Den Menschen mit Zwang von seiner Heimat trennen, bedeutet, ihn im Geiste töten. Wir haben dieses Schicksal erlitten und erlebt. Daher fühlen wir uns berufen zu verlangen, dass das Recht auf die Heimat als eines der von Gott geschenkten Grundrechte der Menschheit anerkannt und verwirklicht wird.“
Darum begrüßen wir es, dass der Heimatverlust als europäische und weltweite Geschichte der Zwangs- und Gewaltmigration in dieser Dokumentationsstätte Gegenstand des Erinnerns ist. Das ebenfalls thematisierte Schicksal vertriebener Menschen z. B. aus Syrien oder der Rohingya aus Myanmar hat, hat - wie so häufig - ebenfalls politische, historische und religiöse Ursachen. Zu einem Zeitpunkt, in dem sich 82 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht befinden, mehr als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte, ist die Dokumentationsstätte ein richtiges, ein unverzichtbares Signal in unserer Zeit.
Stiftung und Dokumentationszentrum werden, auch in Zukunft ein Ort der Auseinandersetzung, der Versöhnung und der kritischen Betrachtung aktueller Entwicklungen sein.
Wir wünschen der Stiftung und dem „Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ für ihre Arbeit im Interesse der Vertriebenen weltweit alles Gute und bieten im Sinne des Auftrages unserer Stiftung jederzeit eine engagierte Zusammenarbeit an.
Pressemitteilung des Bundes der Vertriebenen
Anlässlich des 70. Jubiläums der Charta der deutschen Heimatvertriebenen, die am 5. August 1950 unterzeichnet und am Folgetag vor dem Neuen Schloss in Stuttgart verkündet wurde, hat das Präsidium des Bundes der Vertriebenen folgende Deklaration verabschiedet:
DEKLARATION
zum 70. Jubiläum der Charta der deutschen Heimatvertriebenen
am 5. und 6. August 2020
Vor 70 Jahren, in einer Zeit großer sozialer und wirtschaftlicher Not, haben wir deutsche Vertriebene und Flüchtlinge mit unseren Verbänden die Charta der deutschen Heimatvertriebenen verfasst und verkündet.
Darin setzten wir ganz bewusst ein national wie international sichtbares Zeichen gegen eine weitere Eskalation der katastrophalen Gewalt- und Unrechtsspirale. Diese hatte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts begonnen und mit dem von Deutschland ausgelösten Zweiten Weltkrieg, dem Holocaust sowie in der Folge mit Flucht und Vertreibung grausame zivilisatorische Tiefpunkte gefunden.
Darin legten wir den Grundstein für die Linderung unserer größten Not und stellten uns die Mitwirkung am Wiederaufbau Deutschlands zur Aufgabe. Unsere selbst mitgestaltete Eingliederung in die Nachkriegsgesellschaft trug maßgeblich zur Sicherung des sozialen Friedens bei.
Darin definierten wir das Recht auf die Heimat als ein von Gott der Menschheit geschenktes Recht und gaben sowohl unserem eigenen Einsatz gegen Flucht, Vertreibung, Deportation und Zwangsarbeit als auch dem internationalen Kampf gegen Flucht und Vertreibung eine menschenrechtliche Basis.
Darin zeichneten wir eine der ersten modernen Visionen eines freien, geeinten und friedlichen Europas, in dem allein sich das Recht auf die Heimat für alle Menschen und Völker umsetzen lassen würde. Dieser europäischen Vision galt unser Einsatz von Beginn an.
Die Charta der deutschen Heimatvertriebenen wurde gleichsam zum „Grundgesetz“ unserer Arbeit. In der Zeitlosigkeit ihrer Inhalte hat sich diese Bedeutung bis heute erhalten. Daher bekennen wir uns auch 70 Jahre nach ihrer Entstehung zu ihren Grundsätzen und fordern:
1. Vertreibungen sind nach wie vor ein Weltproblem. Dem Recht auf die Heimat muss in Europa und weltweit auch durch strafbewehrte Vertreibungsverbote Geltung verschafft werden. Außerdem gilt es, verstärkt internationale Strategien zu entwickeln oder weiter zu fördern, die eine Verbesserung der Lebensbedingungen in ihrer Heimat heute bedrohter Menschen, Volksgruppen und Völker zum Ziel haben.
2. Die grenzüberschreitende verständigungspolitische Arbeit, die wir deutsche Heimatvertriebene und Flüchtlinge, Aussiedler und Spätaussiedler, aber auch die deutschen Minderheiten in den Heimat- und Siedlungsgebieten leisten, trägt bis heute Früchte. Sie befördert den europäischen Einigungsprozess, wirkt friedens- und zukunftssichernd und hat die Vertriebenen ihrer Heimat wieder nähergebracht. Daher gilt es, politische Rahmenbedingungen so zu setzen, dass diese Arbeit fortgesetzt werden kann.
3. Zum Recht auf die Heimat bereits vertriebener Völker und Volksgruppen, also auch der deutschen Heimatvertriebenen und ihrer Nachkommen, aber auch von Volksgruppen, die als Minderheiten in ihrer Heimat leben, gehören Möglichkeiten, des eigenen Schicksals zu gedenken und die eigene Geschichte zu bewahren sowie die sprachliche und kulturelle Identität zu pflegen und zu erhalten. Dazu bedarf es gesicherter Rechte und einer zukunftsfesten Förderung durch die Heimatländer. Auch Deutschland kann sich hier noch stärker engagieren.
4. Unterscheiden sich auch die Umstände, so ist doch die selbst mitgestaltete Eingliederung der deutschen Heimatvertriebenen, Aussiedler und Spätaussiedler eine Erfolgsgeschichte, die für Flüchtlinge und Migranten unserer Tage Vorbildcharakter haben sollte. Wo eine aktive Beteiligung an Integrationsprozessen gefordert wird und diese einhergeht mit der heute möglichen Unterstützung zur Traumabewältigung, kann der Weg in eine erfolgreiche Zukunft am Ankunfts- und Zufluchtsort geebnet werden.
In der Umsetzung dieser Forderungen sehen wir wichtige Voraussetzungen für die erfolgreiche Bewältigung der Folgen von Flucht und Vertreibung sowie für dauerhafte Stabilität und Frieden in Europa und in der Welt.
Weitere Informationen zur Charta der deutschen Heimatvertriebenen und zum Tag der Heimat 2020 finden Sie auf unserer Internetseite unter https://www.bund-der-vertriebenen.de/themen-und-termine/tag-der-heimat/tag-der-heimat-2020.